Die Volksrepublik Polen war seit 1949 „Bruderland“ der DDR, aber der Austausch zwischen den Ländern war zuerst einmal sehr dünn. Vom westlichen Oder-und Neißeufer blickte man auf unzugängliches ehemaliges deutsches Gebiet. Ab dem 1. Januar 1972 brauchte man kein Visum mehr, um ins andere Land zu reisen. Neugierig wurde die Welt jenseits der Grenzflüsse erkundet. Die Älteren besuchten ihre frühere Heimat; die Jugendliche machten sich zu Tramptouren durch das östliche Land auf, das sie eigentlich als viel westlicher empfanden, weil das Leben dort im Vergleich zur DDR als so viel freier wahrgenommen wurde. Immer aber gab es auch Pendler, die regelmässig im jeweils anderen Land arbeiteten. Das Erstarken der polnischen Solidarność führte im November 1980 zur Rücknahme der Visafreiheit.

„Jenseits der Oder“ versammelt Zeitzeugeninterviews über Erinnerungen von ehemaligen DDR-Bürgern an „ihr“ Polen. Unsere Interviewpartner stammen aus sehr verschiedenen DDR-Milieus und erzählen schon deshalb sehr unterschiedliche Geschichten.

Das Projekt wurde von der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.

JOACHIM BEYER
DER SCHMUGGELNDE REICHSBAHNER
Die Odergrenze zwischen Kostrzyn (PL) und Kietz (DDR) durften nur Waren passieren. Die einzigen Menschen, die hier den Fluss überqueren durften, waren die Eisenbahner. Auf der Oderinsel war eine sowjetische Garnision stationiert. Joachim Beyer erzählt von legalem, halb legalem und illegalem Warenaustausch


PFARRER DR. JUSTUS WERDIN
ÖKUMENE ÜBER DIE GRENZE HINWEG

 


HEIDEMARIE LEHMANN
POLNISCH LERNEN BEI LAUFENDEM GÜTERVERKEHR
Mit knapp achtzehn Jahren sprang die frisch eingestellte Reichsbahnerin ins kalte Wasser. Ohne ein Wort Polnisch zu können begann sie auf dem Güterbahnhof in Kostrzyn zu arbeiten, um Züge aus der DDR, die weiter in den Osten rollen sollten, abzufertigen Sie lernte schnell die Sprache der Nachbarn und knüpfte vielfältige Kontakte zu ihren polnischen Kollegen

 

DR. REINHARD SCHMOOK
GRENZÜBERSCHREITENDE REGIONALFORSCHUNG
Dr. Reinhard Schmook, seit 35 Jahren Direktor des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde erzählt von einer merkwürdigen eintägigen Forschungsreise – mitte der achtziger Jahre – während des polnischen Kriegsrechtesauf die andere Seite der Oder.

 


JERZY HOPFER
SCHIFFFAHRT AUF DER STAATSGRENZE
Kapitän Jerzy Hopfer –deutschstämmiger Pole- steuerte zum ersten Mal als Schifffahrtsschüler Mitte der sechziger Jahre ein Lastschiff auf der Oder und später dann unzählige Male als Kapitän. Das Verhältnis DDR-Polen aus der Sicht der Flussschifffahrt.

 


DR. FRITZ-HARRY KRESSNER
WISSENSCHAFTLICHER AUSTAUSCH FÜHRT ZU ENGER FAMILIENFREUNDSCHAFT
Der Physiker Dr. Fritz-Harry Kressner arbeitete in den frühen sechziger Jahren an einem Geheimprojekt in Falkenhagen am Schwarzen See am Rande des Oderbruchs. Aus dem Austausch mit Poznaner Kollegen entwickelte sich eine enge Freundschaft zur Familie des polnischen Dolmetschers.

 


ANDREA MÜLLER
GEHEIME GESPRÄCHE VON UFER ZU UFER
Andrea Müller, Gärtnereibesitzerin in Hohenwutzen erzählt von ihrem Vater, der jahrelang mit einem Freund auf der polnischen Seite zu festen Terminen sich mit seinem polnischen Freund über die Oder hinweg unterhielt.

 


KAI-PETER CZERNITZKY
GEHEIME GESPRÄCHE VON UFER ZU UFER
Der Letschiner Gemüsehändler Kai Czernitzky erzählt von dem unbeschwerten Polen seiner Kindheit in den sechzigern, den anregenden siebzigern seiner Jugend und den bleiernen achtzigern nach Ausrufung des Kriegsrechtes.
Kapitän Jerzy Hopfer –deutschstämmiger Pole- steuerte zum ersten Mal als Schifffahrtsschüler Mitte der sechziger Jahre ein Lastschiff auf der Oder und später dann unzählige Male als Kapitän. Das Verhältnis DDR-Polen aus der Sicht der Flussschifffahrt.

 


WERNER BODE & WERNER KRAUSE
VON KÜHEN UND ELCHEN DIE BEI AURITH DIE STAATSGRENZE DURCHSCHWAMMEN
Aurith und Urad sind nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt. Zwillingsdörfer-getrennt durch Oder und Staatsgrenze. Vor ein paar Jahren erschien ein bemerkenswertes Buch von Tina Veihelmann über die beiden Dörfer. Die beiden LPG-Veteranen aus der Ziltendorfer Niederung erzählen von Erfahrungsaustausch, vielfältigen Kontakten zu polnischen Staatsgütern und von einem jungen Aurither, der an Sylvester in Pantoffelnüber die Oder ging.


WOLF-DIETER CZERNITZKY
JUGENDBEGEGNUNGSLAGER BEIDERSEITS DER ODER
Der Frankfurter Pädagoge Wolf-Dieter Czernitzky „erfand“ und veranstaltete ab den fünfziger Jahren Austauschlager für Jugendliche aus der DDR und aus Polen; neben intensiven privaten Kontakten auf die andere Oderseite hatte er immer wieder Kontakte mit polnischen Amateurfunkern, die einmal sogar lebensrettend waren.

 


RONALD BÖHME
EIN JAHR POLNISCHER AUSZEIT VON DER DDR
Auf den Spuren seiner aus Ostpreußen vertriebenen Familie verliebte sich der Zimmermann Ronald Böhme in eine Warschauerin, für die er sich eine einjährige Auszeit von der DDR nahm. Dafür wurde er bestraft. Später transportierte er Eiswaffeln aus polnischen Familien-betrieben in die DDR. Ein florierender Schmuggel von in den jeweiligen Ländern raren Gütern gehörte dazu.
Der Frankfurter Pädagoge Wolf-Dieter Czernitzky „erfand“ und veranstaltete ab den fünfziger Jahren Austauschlager für Jugendliche aus der DDR und aus Polen; neben intensiven privaten Kontakten auf die andere Oderseite hatte er immer wieder Kontakte mit polnischen Amateurfunkern, die einmal sogar lebensrettend waren.

 


ELISABETH & KARL-HEINZ HENSCHEL
BEZIEHUNGEN MIT POLEN IN DER ALTEN HEIMAT
Henschels leben in Kietz an der Oder; beide kommen aber vom östlichen Oderufer. Herr Henschel aus Küstrin (jetzt:Kostrzyn), Frau Henschel aus Bärwalde (jetzt: Mieszkowice). Frau Henschel,deren Familie noch eine Weile in ihrem Heimatort bleiben musste, hielt immer Verbindung zu ihrer polnischen Freundin Ilka, die mit ihrer Familie aus den ehemaligen polnischen Ostgebiete dorthin gekommen war. Herr Henschel nutzte in den siebziger Jahren eine offizielle Reiseüber die Oder, um sich in seiner alten kaum wieder zu erkennenden Heimat umzuschauen.


IMPRESSUM

„Jenseits der Oder“
ist ein Interviewmagazin desVEREIN ODERLÄUFE e.V
Kuhbrücke 24
15328 Küstriner Vorland
Tel: 033479 – 122995

film@oderlaeufe.dev.i.S.d.P. TOBIAS LENEL (Interviews, Redaktion)
Kamera, Schnitt, Ton LUKAS MAJKA
Kamera, Schnitt, Ton RICHARD MARX
Beratung BRIGITTE LENEL
Produktion, Postproduktion, Internetauftritt
DRAMATISCHE HANDLUNG
Erdmannstrasse 7
10827 Berlin

Die Interviews wurden zwischen September und Dezember 2014 entlang der Oder geführt. Jenseits der Oder wurde finanziert durch die Stiftung Aufarbeitung der SED Diktatur

https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/

http://www.dramatische-handlung.de/

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